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In einer neuen Umgebung anzukommen kann manchmal etwas länger dauern als einfach nur die eigentliche Landung mit dem Flugzeug am Ziel. Ankommen ist ein Prozess und manche Menschen brauchen dafür länger als andere.

Mit dieser Erkenntnis begrüßen wir Euch alle aus dem unglaublich heißen und schwülen Ost-Texas, wo wir uns nun „schon“ seit 20 Tagen befinden.

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Wir sind gesund, der Hurrikane Harvey war hier, so weit weg von der Küste nicht zu spüren und jetzt sind wir dabei diesen Ort zu unserem neuen, vorübergehenden zu Hause zu machen. Es ist ganz wichtig für Philemon das es wirklich ein zu Hause wird, damit er Stabilität und Geborgenheit spürt um sich wirklich auch frei und unbeschwert entfalten zu können. Ich (Suse) merke aber das meine flexiblen, spontanen, überall reinpassenden, wilden Reise-Zeiten tatsächlich vorbei sind und ich nicht mehr so einfach an neuen Orten ankomme. Philemon merkt das mit seinen sensiblen Antennen natürlich auch und so dauert es eben für uns etwas länger, das Ankommen.

Philippus war direkt am zweiten Tag nach unserer Landung im Schulungsprogramm integriert, hat eine Einführung in alle möglichen Abläufe und Zeitpläne und Strukturen bekommen und ist nun schon mitten drin in seinem Element – er studiert mit 16 anderen Teilnehmern die Bibel. Sein Unterricht beginnt um 7:45 Uhr und geht im Klassenzimmer bis zur Mittagspause um 12:30 Uhr. Danach hat er 2 Stunden praktischen Arbeitseinsatz, bei dem er eine mega chaotische und verdreckte Werkstatt aufräumt, sortiert und sauber macht (ein riesen Projekt!) Sobald er damit fertig ist und geduscht hat geht es für ihn weiter mit Hausaufgaben- das bedeutet noch mehr lesen, recherchieren, Aufsätze schreiben, Fragen beantworten. Um 17:30 Uhr ist dann Abendessen und je nachdem wie umfangreich die Hausaufgaben sind, haben wir dann entweder noch etwas Familienzeit zu dritt, oder Philippus sitzt noch eine Weile am Computer und stellt die Aufgaben fertig. Es macht ihm viel Spaß und er ist aktiv dabei und eine echte Bereicherung für den Unterricht. Er blüht total auf.

Die anderen 15 Teilnehmer kommen aus verschiedenen Ländern wie Korea, China, Brasilien, Mexico und Amerika natürlich und sie sind zwischen 20 und 50 Jahren alt. Eine schöne Mischung und viele liebe Leute plus natürlich der Mitarbeiter Stab.

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Die 11 Monate dauernde Schulung ist durch Schulgeld finanziert, was wir privat zahlen und was für Philippus auch Miete und Kosten für Verpflegung mit beinhaltet. Da ich kein Schulungsteilnehmer bin zahl ich mit Philemon nochmal einen monatlichen Beitrag extra für Kost und Logis. Unser ursprünglicher Plan war es, dass ich für ein paar Stunden am Tag regelmäßig im Büro mitarbeite um so die Kosten für mich sozusagen durch Arbeitsleistung abdecke und somit nichts zahlen muss, jedenfalls so lange bis es die Schwangerschaft nicht mehr zulässt. Der Plan hat aber leider nicht funktioniert. Wir haben Philemon 3 Tage lang zur Eingewöhnung einer Fremdbetreuung zu unserer total lieben Nachbarin gebracht, die selbst 5 Kinder hat von denen 3 auch noch bei ihr zu Hause sind. Von Tag zu Tag wurde es aber schlimmer Philemon dort hin zu bringen und am dritten Tag hat es mir auch fast das Herz gebrochen ihn dort weinend und völlig verkrampft zurück zu lassen. Er ist einfach noch nicht soweit gewesen, vor allem auch mitten in der Umstellung auf eine fremde Sprache, fremde Umgebung, fremde Menschen. Wir haben ihn und mich ziemlich überfordert und das Projekt abgebrochen. Das war es uns nicht wert! Mich hat das ganze in meinem Hormon gefluteten Zustand auch ziemlich lange mitgenommen und viele Tränen sind geflossen.

So bin ich nun mit dem süßen kleinen Knopf zu Hause, kümmere mich um den Haushalt, erkunde die Umgebung und streichel ganz oft den immer größer werdenden Babybauch. Solange Philemon mich noch ungeteilt ohne seine Schwester haben kann möchte ich auch gerne ganz und gar für ihn da sein. Total old school, ich weiß, aber wir stehen dazu! 

Das Baby ist mittlerweile schon ganz schön aktiv, hat aber bisher noch keinen Schluckauf gehabt wie das bei Philemon so oft der Fall war. (Nachzulesen hier) Die Suche nach einem passenden Arzt der meine Schwangerschaft betreut und dann auch die Entbindung machen wird gestaltet sich schwieriger als erwartet. Jetzt bald muss aber mal ein Arzt gefunden werden, denn ich bin ja schon über die Hälfte der Schwangerschaft hinaus. Das ist ein echtes Gebetsanliegen und Herzensanliegen.

Wir wohnen in einem sogenannten mobile Home. Das ist eine Art Wohnwagen, oder Bauwagen, komplett ausgestattet mit 2 Schlafzimmern, 2 Bädern, Küche und Wohnzimmer. Theoretisch könnte man ihn per LKW bewegen (deshalb mobile) aber praktisch steht er aufgebockt auf Stelzen und bietet untendrunter also auch allen möglichen Tieren ein zu Hause. Wir haben viel Platz und die Tierchen auch. Es riecht manchmal etwas streng und wir wissen noch nicht ob es nur Hasen sind, unsere Unter(uns)mieter oder vielleicht Opossums oder gar Stinktiere. Meine schwangere Nase ist da etwas empfindlicher als Philippus seine. Das Haus ist aus den 60er Jahren und die Fugen und Isolierungen sind dementsprechend nicht mehr ganz so dicht und bieten Ameisen, Mücken, Käfern, Spinnen, Mäusen und der ein oder anderen Kakerlake freien Eintritt. Eine gute Übung für diszipliniertes aufräumen. Wir haben einen kleinen, geruchsfreien und Käfer-freien Video Rundgang durchs „Haus“ für euch gemacht, den man hier anschauen kann: hier anklicken zum Video Sehr einfach aber gut für einen kleinen Einblick. 

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Jetzt noch ein paar mehr Worte zu Philemon und dann ist auch bald Schluss. Dieser süße kleine schlaue Junge ist bei allen hier mitten im Herz gelandet. Er ist stolz wie Bolle wenn er neue englische Worte sagen kann und macht das auch echt richtig gut. Er plantscht gerne in seinem kleinen swimming pool, mag Mädchen, malt total gerne, findet Traktoren, Bagger und Flugzeuge klasse und er hat schon ganz bald Geburtstag! Unglaublich aber wahr,  der Kerl wird am 16. November schon 2 Jahre alt. Letztes Wochenende war ich mit ihm auf einem riesigen Flohmarkt für Kinder Klamotten und Spielzeug in einer großen Messehalle. Er hat es geliebt und war total im Glück! Weil wir ja bis dahin auch nicht wirklich viele Spielsachen hatten hab ich bei einigen second Hand Sachen einfach mal zugeschlagen und ihm damit das ankommen leichter gemacht. Das ganze hat allerdings auch ne Menge gekostet. Seine Neurodermitis an den Beinen ist hier durch Einhaltung einer sehr strengen Gluten freien, Laktose freien und Zucker freien Diät deutlich besser geworden. Vielleicht tut auch das feuchte Klima gut.

Wir merken ganz deutlich, dass das Leben hier in den USA ziemlich Kostenintensiv und teilweise etwas herausfordernder ist als erwartet. Wir dachten uns, dass wir deshalb einfach mal ganz mutig fragen, ob es vielleicht jemanden gibt, der sich vorstellen könnte Philemon zum Geburtstag einige von den neuen (gebrauchten) Spielsachen zu finanzieren oder auch eine kleine monatliche Spende für Dinge wie Mandelmilch, Kokosnussmehl, Honig, Haferflocken, Rosinen, Erdnussbutter, glutenfreie Nudeln vom Aldi (JAAA ES GIBT HIER ALDI; juhuu) oder die Neurodermitis Creme geben möchte. Dies wäre in jeder erdenklichen Höhe möglich und es gibt dafür sogar Spendenquittungen für die Steuererklärung. Ich habe die genauen Preise und Beschreibungen der Spielsachen, Lebensmittel und Cremes aufgehoben und kann sie gerne per privat Nachricht auf Anfrage verschicken wenn das helfen würde. Die nächste Frage in diesem Zusammenhang ist, ob es jemanden gibt der uns regelmäßig im Gebet konkret unterstützen möchte.

Danke an alle die das eine und oder das andere schon tun! Ihr seid spitze. 

 

Ich weiß nicht genau ob es die Hormone sind oder das mega heiße Wetter, die unfassbare Größe und Weitläufigkeit von Texas, die Kostenintensität, die neue Umgebung, die Verantwortung der Erziehung eines fast zweijährigen oder eine Kombination aus all dem, aber ich fühl mich immer mal wieder ziemlich überfordert. Klar gibt es viele schöne Momente und tolle Begegnungen mit richtig kostbaren Menschen, auf Photos lachen wir und sehen glücklich aus und nicht nur auf den Photos wird gelacht… ich bin aber einfach auch ehrlich wenn ich sage, dass neu Ankommen für mich von mal zu mal schwerer wird.

Wer mir eine ermutigende Postkarte, einen Brief, ein Care Paket mit Rooibuschtee, leckerem Raumerfrischer Riechdings und Schokolade oder ein Geburtstagsgeschenk für Philemon per Post schicken möchte kann dies sehr gerne tun und zwar an die folgende Adresse:

Susanne, Philippus und Philemon Heer,

Dayspring Campus 961 CR 1143

Tyler Texas 75704

USA

 

„Thank you, bye bye, I love you“ (Zitat von Philemon mit einem Puste Kuss dazu)