Es ist schon Mai und irgendwie scheint der Winter gar nicht so richtig gehen zu wollen. Dabei sehnen wir uns so danach draußen zu sein, den neuen Spielplatz zu entdecken, und den Mikrokosmos vor unserer Haustür zu erforschen. Hadassah hat laufen gelernt und sie rennt morgens, gleich nach dem Aufstehen als Erstes zum Schuhregal um ihre Gummistiefel zu holen, weil sie raus will. Das kann sie sogar auch schon sagen: „Raus, leer, hallo, Bauch, Baum und schuhu“ sind die häufigsten Worte die aus dem kleinen Energiebündel neben dem ganzen anderen unverständlichen Buchstabensalat raus sprudeln. Willkommen im Alltag mit kleinen Kindern.

Es ist schon Mai und Philemon fragt immer öfter wann wir denn nun eigentlich hier aus unserer Wohnung ausziehen müssen, all unsere Sachen in Kisten packen und in die neue Wohnung einziehen. Philo ist ein schlauer kleiner Junge, der immer alles ganz genau wissen möchte und notfalls auch gleich 5 mal nachfragt. Und das mit dem Auszug hat er sich gut gemerkt, denn als wir in diese wunderbare Wohnung als Zwischenmieter eingezogen sind, war von Anfang an klar, dass wir nach einem Jahr wieder ausziehen werden.

Es ist schon Mai und das bedeutet das unser Jahr in der schönen Wohnung mit dem tollen Ausblick aus dem Wohnzimmerfenster schon fast vorbei ist. Es war eine gute Zeit! Wir durften nach unserem Jahr in Texas einfach erstmal wieder in Deutschland ANKOMMEN und SEIN. Bestehende Freundschaften hier in Altensteig konnten wir vertiefen und tolle neue Freunde kennengelernen. Wir haben es sehr genossen in eine komplett ausgestattete Wohnung einzuziehen und es wird uns schwerfallen den tollen Vermietern und der YWAM Familie Tschüss zu sagen. Aber wir freuen uns auch, auf das was vor uns liegt.

Es ist schon Mai und im August werden wir umziehen. Irgendwie ist das keine Besonderheit mehr bei uns – so scheint es mir – aber irgendwie vielleicht diesmal doch. Wir wollen gerne Wurzeln schlagen, wollen uns zu Hause fühlen. Mit der Frage nach dem „wo“ haben wir uns deshalb ziemlich lange auseinandergesetzt und jetzt eine Antwort darauf. Wenn man die freie Wahl hat, wenn einem die Welt offen steht, wenn es keine Vorgabe oder Einschränkung gibt, dann kann das überwältigend, ja sogar ein bisschen überfordernd sein. Fast so wie damals vor fast 30 Jahren, kurz nach der Wende, als plötzlich das Regal im Supermarkt nicht mehr nur eine Sorte Zahnpasta, sondern 25, zur Auswahl bot. Woher sollte man denn wissen, wie man da die beste Wahl trifft? Greift man am Ende nicht doch zu dem was man gewohnt ist? Zu dem was vertraut und bekannt ist?

Es ist schon Mai und tatsächlich jährt sich der historische Moment des Berliner Mauerfalls schon zum 30ten mal. Unfassbar irgendwie, oder? Und so großartig! Dank dieser Wende in der Geschichte unseres Landes im Herbst 1989 durfte ich als geborener „Ossi“ „den Osten“ verlassen, ich durfte schon ganz viele Länder der Welt bereisen, ich hatte immer die freie Wahl wohin ich gehen wollte, war nie eingesperrt, wie es so viele Bürger der DDR waren, sondern durfte, als Wendekind im wiedervereinten Deutschland leben wo ich gerne wollte, sogar „im Westen“. Und ich konnte meinen Mann (einen echten „Wessi“) kennenlernen. Mein Leben wäre ganz anders gewesen gäbe es die Mauer noch.

Ich liebe diese Freiheit und hab sie wirklich schon sehr exzessiv ausgekostet, aber was ich wirklich spannend finde, ist der Fakt das ich im Herzen dennoch eine ganz besondere Verbindung zum Osten und ganz speziell zu Thüringen habe. In mir fängt etwas zu schwingen an wenn ich an Thüringen denke, wenn ich auf der Autobahn das Willkommens Schild mit Schiller und Bach sehe, wenn ich an meine Kindheit, Urlaube im Thüringer Wald und die beste Bratwurst der Welt denke … dann ist da ganz viel Resonanz. Zum Studieren hab ich vor ein paar Jahren schon einmal den Weg zurück in meine alte Heimat Thüringen gefunden und war begeistert. (was man hier nachlesen kann: Heimatverbundenheit). Von all den verschiedenen Orten dieser Welt, an denen ich schon gelebt habe, hat es keiner geschafft, dass ich mich zu Hause fühle. Keiner, außer Erfurt. Und das ist einer der Gründe dafür das wir nun als ganze Familie nach Erfurt umziehen werden. Jubelschreie sind an dieser Stelle völlig angemessen und wir schreien alle mit vor lauter Freude! Erfurt, wir kommen (zurück).

Es ist schon Mai und wir suchen zum Anfang August nun eine passende Wohnung für unsere kleine Heerschar. Wenn Du jemanden kennst der eine Wohnung vermietet, jemanden der einen Nachmieter sucht oder nette neue Nachbarn braucht, dann sag uns mal Bescheid.

Es gäbe noch viel viel mehr zu erzählen zum Warum, zu dem was ausschlaggebend war für die Entscheidung, zu unseren Ideen zum 60/40 Leben, zur Frage nach dem Sinn des Lebens und überhaupt (42 ich weiß), aber ich denke, für heute reicht es erstmal und wir wollten die Neuigkeiten aus unserem Leben ja auch kurz und knackig halten. Deshalb lass ich mal noch ein kleines Video über Erfurt hier und die ausdrückliche Einladung uns dann ab Herbst dort besuchen zu kommen! Es ist wirklich schön da!

 

Ganz liebe Grüße von Suse dem Ossi, Phil dem Wessi, Philo dem Thüringer Würstchen und Hadassah der amerikanischen Extrawurst.