Einige von Euch haben sich sicher schon gefragt warum es noch gar keine Nachrichten von Familie Heer aus Erfurt gibt. Im letzen Eintrag hatten wir doch davon geschrieben das wir im August dahin umziehen wollen. Nun, was kann ich sagen außer: Der Mensch denkt, aber Gott lenkt.

Bei der Suche nach einer passenden Wohnung haben wir gemerkt, dass es zwar gut ist Pläne zu machen, aber wenn sich einfach nichts vor und nichts zurück bewegt ist der beste Plan nichts wert. Wir haben uns dann also noch einmal ganz bewusst Zeit genommen um Gott zu fragen wohin ER uns bringen will. Wir glauben daran das er noch heute direkt zu uns redet und so kam für uns die herausfordernde Frage auf, ob wir weiterhin eine Missionars Familie sein wollen, oder ob wir uns niederlassen wollen. Wir haben schon so oft erlebt wie gut es ist wenn wir auf Gott vertrauen und so war es nicht schwer unsere Antwort zu finden. Tja und so sind wir doch nicht in Erfurt, sondern nun schon seit 2 Monaten in Norwegen.

Norwegen? Warum denn jetzt bitte ausgerechnet Norwegen? Nun, hier in Norwegen gibt es auch einige Zentren von JMEM/YWAM (Jugend mit einer Mission/youth with a mission) und von September bis Ende November gibt es hier eine 3 monatige Bibelschule an der ich (Suse) teilnehme.

Für diese Zeit haben Philippus und ich die Rollen im Familien Alltag getauscht und wir bekommen so eine ganz neue Wertschätzung für den jeweiligen Job des anderen. Philippus hat von Morgens bis 16 Uhr die Kinder, wäscht die Wäsche, putzt und ist Super-dad und ich bekomme in der Zeit Unterricht über die Bibel und nach dem Mittag lese ich mit meiner Kleingruppe 3 Stunden lang gemeinsam in der Bibel. Wenn ich damit fertig bin übernehme ich die Kids und Philipps fängt an zu arbeiten bis zum Abendessen. Dann gehen die Kids ins Bett und Phil arbeitet fleißig weiter bis spät in die Nacht und ich mache Hausaufgaben.

Philemon und Hadassah sind schwer begeistert von der vielen Zeit die sie mit Papa verbringen dürfen und ich bin begeistert darüber was ich alles lerne. Am Donnerstag haben wir gemeinsam das Alte Testament fertig gelesen und nun starten wir mit dem neuen Testament. Juhu. Für mich ist das etwas ganz besonderes, denn auch wenn ich schon viele Jahre an Gott glaube ist es tatsächlich das erste mal das ich die Bibel komplett durchlese. Für lange Zeit war es für mich sehr beschämend das ich einfach nicht wirklich viele Zusammenhänge verstehe und dadurch auch gar nicht viel Motivation habe zu lesen. Aber hier habe ich gemerkt wie hilfreich es ist sich Zeit zu nehmen lange Passagen am Stück zu lesen, Hintergrundinformationen zu bekommen und gemeinsam in der Kleingruppe laut vor zu lesen, wo jeder wirklich jede Frage stellen kann. Plötzlich wird der rote Faden sichtbar, Unaussprechliche Namen bekommen eine Bedeutung und es ergibt alles einen Sinn. Diese 3 Monate sind eine besondere Investition und eine ganz wichtige Grundlage für uns als Familie und wir sind so dankbar das wir als ganze Familie hier sein können. Wie sich mal wieder bestätigt ist es einfach das Beste auf Gott zu vertrauen.

Am 16.November hat Philemon seinen 4. Geburtstag und wir haben über die sozialen Medien gefragt ob es Freunde gibt die ihm dafür eine Postkarte schreiben wollen. Viele haben sich schon gemeldet und nach unserer Adresse gefragt hier in Norwegen. Wenn Du auch noch eine Karte schreiben magst, melde Dich, Philemon würde sich sehr freuen!

Philippus ist wirklich sehr bemerkenswert!! Er gibt tagsüber wirklich alles um die Kinder zu erziehen, arbeitet nachmittags gewissenhaft und konzentriert in seinem „normalen Job“ (den er von überall auf der Welt machen kann solange er einen Computer hat) und er hat noch eine weitere Herausforderung angenommen: Einer der Sprecher für die Bibelschule hatte abgesagt und so hat ihn der Leiter der Schule gefragt ob er sich vorstellen könnte eine Woche lang über Paulus zu unterrichten. Das konnte er unmöglich ablehnen und so bereitet sich Philippus nun also zusätzlich noch darauf vor zu unterrichten und so ist nun wirklich jede Minute des Tages gefüllt.

2/3 der Schule sind nun schon vorbei und Ende November geht es für uns dann wieder nach Deutschland. Für einen runden Geburtstag sind wir eine Weile in Thüringen und fahren dann für eine Hochzeit weiter in den Stuttgarter Raum. Wie es in 2020 dann weitergeht liegt komplett in Gottes Hand. Wir sind uns sicher es wird nicht langweilig und wir sind uns sicher das es sehr gut wird!! Gott an erste Stelle zu stellen war für uns bisher immer die beste Entscheidung.

Oh und noch was lustiges: Wir leben gerade in einem alten Gefängnis Gebäude, deshalb kann ich jetzt auch ganz wahrheitsgemäß sagen, dass dies mein erster Brief aus dem Gefängnis war. 😀